Erstes Lied
ERSTES LIED
Das Feld hat sich zurückgezogen
als es den Menschen sah,
wie er blindwütig außer sich geriet.
Welch ein Abgrund wird sichtbar
zwischen dem Olivenbaumund dem Menschen!
Das Tier, das singt:
das Tier, das weinen
und Wurzeln schlagen kann,
erinnerte sich an seine Krallen.
Krallen, die es bedeckt
mit Zartheit und Blumen,
aber sie am Ende, entblößt
in all ihrer Grausamkeit.
Sie knistern in meinen Händen.
Halte dich von ihnen fern, mein Sohn.
Ich bin bereit, sie herauszuholen,
sie zu breiten
über dein zartes Fleisch.
Ich bin zum Tiger geworden.
Geh weg, oder ich zerreiße dich.
Heute ist die Liebe der Tod,
und der Mensch belauert den Menschen.
MIGUEL HERNÁNDEZ, Spanien, 1910 – 28.3.1942
Übersetzung: Germain Droogenbroodt –
Wolfgang Klinck



