Internationale Poesie seit 1984 · POINT Editions & Stiftung ITHACA
Nº 691 Gedichte

Einst

Zhao Lihong · China, (1952)

EINST

Einst wanderte ich den Weg entlang,

mein Schatten, einem dürren Baum in der Wüste gleich.

Einst starrte ich voller Angst in die Dunkelheit,

mein Hilfeschrei, von der bleiernen Nacht unterdrückt,

Wolken und Nebel verschleierten Mond und Sterne

und ein kalter Wind fegte über die trostlose Einöde.

Einst hörte ich die Nachtigall singen in der Nacht,

es glich einem Gesang der Wolken hoch am Himmel

niederwirbelnd wie ein Teich voll Seerosen in Blüte

die reinweißen Blütenblätter vertrieben die Schatten der Nacht.

Ich suchte dich im dichten Nebel ─

Könnte es ein größeres Glück für mich geben

als dich einst in einer Frühlingsnacht wiederzusehen?

Übersetzung Xu Qin – Germain Droogenbroodt – Wolfgang Klinck

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