Hier die Anrede
HIER DIE ANREDE
für Nicolas Born
Die Wege, oft gegangen, wurden tiefer,
der weite Deich, die Ferne, nichts gab Ruhe.
Dir blieben bloß der Schmerz, der hohle Atem,
dein Körper noch, verhärtet, Müdigkeit.
Sprachst von Jahren, sprachst von letzten Fristen,
du wolltest weiter, Hoffnung: Sommer, zwei noch.
Sahst das Haus, die beiden rohen Zimmer,
dort würdest du, im Herbst schon, schreiben.
Die ersten späten Tage im November,
sie, letzte Spuren, plirrend auf den Scheiben.
Der Regen tropfte, kahle Zufahrtswege,
die Autos trieben Lichter durchs Gehölz.
Gedichte zeugen, deine Schrift, die Stimme,
im Blätterrausch noch einmal du: dein Traum
der Bilder, des Gewebs, der Bücher. Knochen.
JÜRGEN THEOBALDY, Deutschland (1944)



