Internationale Poesie seit 1984 · POINT Editions & Stiftung ITHACA
Nº 757 Gedichte

Nach der Lesung

Miguel Oscar Menassa · Argentina-1940)

NACH DER LESUNG

Das war’s, ich habe vorgetragen, es ist alles vorbei.

Jetzt wird mich sicher ein Freund umarmen,

mit Kraft, mit Wut, mit leichter Wehmut,

Umarmungen, die dir sagen: Es ist gut so.

Eine Frau, von meinen Versen erniedrigt,
will sich, den Seitengang überquerend, bevor ich gehe,

 in meine Arme werfen
in wilder Entschlossenheit,

wie eine verirrte Bombe gegen meine Augen.

Danach wird es Gläser mit feurigem Wein geben,

Blicke und Worte, von Tränen benetzt,

wie eine Anmutung von brüderlicher Zärtlichkeit für den Dichter.

Später kommt dann die Nacht um meine Einsamkeit zu zeigen

 und es wird keinen Vers geben, der mich verstehen lässt:

Warum flog ich so hoch, verliebt, um nun so allein zu fallen?

MIGUEL OSCAR MENASSA (Argentina 1949)
Übersetzung Germain Droogenbroodt –Wolfgang Klinck

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