Der Feigenbaum
DER FEIGENBAUM
Der Feigenbaum
steht ein paar Meter vor meinem Schreibtisch.
Ich kann ihn sehen, wann immer ich aufschaue,
und er scheint sich nicht zu bewegen.
Jedes Blatt ist wie eine kleine Geige.
Soviel versteckte Melodien hängen dort,
und nur in meinem Schlaf,
spielen sie zusammen.
Wenn ich am Morgen aufwache,
ist der Boden mit all den Noten bedeckt,
und ein neuer Vers erscheint auf den Zweigen.
Sie proben und spielen immer wieder,
sie haben Spaß daran und werden nie müde.
Aber vertrödle ich meine Zeit?
Oder gibt es wie bei ihnen immer wieder
reizvolle Veränderungen
aber nur im Inneren.
Das Äußere scheint still zu stehen.
Yanlan Yu, China-Kanada
Übersetzung Germain Droogenbroodt – Wolfgang Klinck



