Genesis
Genesis
Jedes Gedicht beginnt am Morgen, mit der Sonne. Auch wenn
das Gedicht nicht zu sehen ist (d. h. bei Regenwetter)
ist es das Gedicht, das alles erklärt, es gibt Licht
auf die Erde und am Himmel mit Wolken dazwischen – das Licht
stört wenn es zu prall ist. Dann steigt das Gedicht auf
mit dem Nebel, den der Tag mit sich bringt; es schlüpft durch die Baumkronen,
singt mit den Vögeln und rennt mit den Bächen,
wovon man nicht weiß woher sie kommen und wohin sie fließen.
Das Gedicht erzählt, wie alles gemacht wird:
außer sich selbst, das mit einem grauen Zufall beginnt,
wie diesen Morgen, und endet, ebenfalls zufällig,
mit der Sonne, die durchbrechen will.
NUNO JÚDICE, Portugal, 1949-2024
Übersetzung Germain Droogenbroodt



