Internationale Poesie seit 1984 · POINT Editions & Stiftung ITHACA
Nº 815 Gedichte

Sirenen

SIRENEN

Sirenengesang,
der mich weckt aus einem Traum
am Samstagmittag.

Tieffliegergeheul,
während Mutter im Laufschritt
den Kinderwagen

vor sich herschiebt, schreit,
die prasselnden Einschläge,
wie sie die Hände

über das Kleinkind
schützend hält, als könne sie
den Tod abhalten,

und noch Jahrzehnte
später erzählt sie davon,
als wäre das alles
gestern geschehen:
eine absurde Szene,
die niemals endet.

Christoph Janacs, Österreich,1955

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